Das letzte Geheimnis der deutsch-deutschen Geschichte muss geklärt werden. Ich habe keine Ahnung, wie ich darauf kommen, womöglich uferte die Diskussion gestern abend zu weit aus.
Natürlich habe ich weder eines bekommen, noch verschickt, vielleicht ist das der Grund, warum ich es unbedingt wissen muss:
Was war drin in den Westpaketen, die den Osten jahrzehntelang beglückt haben?
Was hielt der Westen für dringend notwendig? Worüber freute sich der Osten? Oder auch nicht?
Ich glaube, das muss jetzt sein. Ich fang mal an (ich hab gefragt :-) und hoffe, dass jemand die Liste ergänzen kann.
Farben, Moped-Zubehör, olle (Leder-)Klamotten, Kaffee, Butter, Barbies (galt anscheinend nicht als West-Propaganda).. Manchmal Zigaretten. Mit Glück an der Grenze nicht alles löchrig sondiert.
Pro Paket 10 Mark steuerlich absetzbar.
Von drüben kam _wohlschmeckender_ selbstgebackener Stollen, Zeug aus dem Erzgebirge und teilweise richtig gute Spielsachen, die wohl auch nicht unbedingt erschwinglich waren..
kaffee, kaffee und nochmal kaffee. allerdings der billige von aldi. und pea-schokolade. auch die billige. deospray 8x4. vor weihnachten lebkuchen.
mehr könnte ich allerdings über den inhalt der ostpäckchen aussagen: fiese plastik-kissenbezüge, bestickte deckchen, stofftaschentücher. ganz mies war mal eine schachtel pralinen in schildkrötenform, da hätt ich fast gebrochen und ich hab mir normal echt alles an süßigkeiten reingedroschen.
Und dann gab es als Gegengeschenk für die Westpakete die Andenken an den wunderbaren Sozialismus: Ostberliner Fernsehturm auf Teller oder das Sandmännchen als Plüschfigur.
haha, das hab ich auch schon mal versucht zu recherchieren. in diesen ostalgieshops kann man das sortiment filzen. haloren-kugeln hatten die, mehr nicht. ich versuchs mal weiter!
das waren schokoschildkröten mit einer ganz gemein halbflüssigen karamel oder toffeefüllung
Erzgebirgskunst ist nie bei uns angekommen. Vielleicht hatten wir die falschen Verwandten... Und die Dresdner Stollen gingen eh in den Export für Devisen. Aber richtig, die waren im Ostpaket. Hatten aber mir nie geschmeckt. Wer weiss was die da drüben in den Tag getan haben, bei der Mangelwirtschaft.
Als ehemalige Empfänger solcher Pakte kann ich nur sagen: Bravo, Popcorn, Comics, Schallplatten bis hin zu so was wie einem Motorradhelmen war da alles drin, was man als Jugendlicher so gebraucht hat.
Bella, was wollte der Osten mit C&A Jeans, wenn er dem Westen quasi schon Jahre vor raus war und schon damals seine Jeans - "vor Ort" - Made in Fernost produzieren lassen hat. ;-)
Lende und Co. gab es natürlich für den "ohne Beziehung" DDR- Einwohner -, Nicht-Ostberliner (;-)) und Nicht-Delikat Käufer, nur zu Weihnachten. Die wurde das ganze Jahr "gesammelt" und dann frisch gewaschen (:-)) pünktlich vor dem Weihnachtsfest auf die HOs und Konsums verteilt.
Butterknappheit, gab es den im Osten jemals richtige Butter?
ich hab mal mit einer zonenfrau kurz nach der maueröffnung gesprochen (jaha, ich war SO dran an der sache!) die sagte:
"bis vor kurzen haben wir ne stunde in der schlange gestanden, um was zu kriegen. jetzt stehen wir 2 stunden weil wir uns nicht entscheiden können." leuchtete mir ein.
das war doch nach der maueröffnung, als sie hier in hamburg kleingeld in die trabbifenster geworfen haben...da war kein ausreiseantrag mehr vonnöten, oder?
und außerdem schleppte meine omilie immer die alten abgelegten barbiepuppen der enkelin einer bekannten von ihr an. die waren dann eingekleidet in so häkelkleider (aber echt schicke) welche die alte dame höchstselbst angefertigt hatte. ansonsten war ick ne verwöhnte jöre.;)
Ich wollte immer aus dem Osten, und bekam auch von unseren Leuten (oder kaufte selbst vom Zwangsumtausch, wenn ich dort war):
Zeichenblöcke!! Sie hatten spezielle Zeichenblöcke aus einem dicken, etwas rauen Papier, das mit den Jarhen zu einem sanften Elfenbeinton vergilbt, ohne dabei brüchig zu werden. Ich glaube, ich habe noch die letzten Reste von einem übrig. Darauf zeichne ich aber etwas ganz Besonderes...
Brennknete!! Die machten eine Brennknete, der konnte das westliche Fimo so komplett nicht das Wasser reichen. Der Name ist mir schon entfallen, war aber typisch DDR. Meine Altersgenossen machten in Playmobil oder Lego; ich bevölkerte ganze Städte und Paläste mit selbstgemachten Sphingen aus DDR-Brennknete. Natürlich Sphingen -- früh übt sich, was ein Altägypter werden will.-
Apfelsinen, eingepackt in Produkt-Seidenpapier.
Geschirr.
Eingerollt in eine Rolle Aluminiumfolie: Burdazeitschriften mit Nähanleitungen. Die letzteren sehr begehrt bei allen ausleihenden Nachbarsfrauen.
Und selbstverständlich gab es Joghurt, auch ausserhalb von Berlin. In Halbliterflaschen, ich erinnere mich an die rosa Substanz sehr gut. Wir haben als Kinder immer mit Zucker nachgesüsst, der war recht sauer. Wie es übrigens auf dem land sowieso oft bessere und frischere Lebensmittel gab als in der Stadt. Selbstgeschlachtetes z.Bsp., manches wurde auch am öffentlichen Verteilzwang vorbeigeleitet.