Es ist an der Zeit, eines klar und deutlich zu sagen:
Journalisten sind keine Blogger!
Sie werden es nie sein. Sie dürfen sich bemühen, können die Charts stürmen, einen guten Ruf haben, was auch immer. Sie sind keine Blogger. Manche schaffen es, halbe Blogger zu werden. Doch die meisten bleiben das, was sie sind:
Dann will ich jetzt aber mal eine Tabelle mit den Bloggeranteilen für jede Berufssparte zum Download. Und zwar vom Agraffeneindrücker bis zum Zureiter ;-)
Ich bin Journalist. Und ich bin Blogger. Punkt. Wenn auch um den Preis, dass ich berufliches zu nahezu hundert Prozent aus meinem Blog draußenhalte und mein Dunkelkämmerlein als private Spielwiese pflege.
andere halten Privates/Familiäres nahezu aus ihren Blogs raus (weil sie beispielsweise hauptsächlich über Nerdkram oder so schreiben), sind das dann auch nur halbe Blogger? Oder wo ist denn bitte schön Dein Katzencontent? Was ist mit Don Alphonso? Der schreibt ja als Rainer Mayer auch überwiegend ganz andere Sachen als im Rebellmarkt oder in der Blogbar.
Diese Bruchteilisierung von Bloggern, der ist halber, jener ein Zweidrittelblogger, klingt in meinen Ohren reichlich blödsinnig, mit Verlaub. Vielleicht möchtest Du ja mal darlegen, was für Dich ein Ganzblogger ausmacht.
Ich ahne zwar, auf was Du hinauswillst, aber ich halte diese seelenklempnerische Ganzblogger-Definition mit Ausschluß-Kriterium Journalist für reichlich romantisch verklärt und nicht für sonderlich zielführend.
Sicher wäre es naiv, bestehende funktionelle und bauartbedingte Unterschiede zwischen der journalistischen Welt und dem Blogdings zu bestreiten. So kriege ich auch Krämpfe, wenn ich beim Kollegen Turi lese, Blogger seien "Journalisten in Jogginghosen".
Aber auf der anderen Seite ist auch zu beobachten, dass die Schnittmenge dieser beiden Teilmengen eher zu- als abnimmt. Und bei Leuten wie Niggemeier oder Turi (wie auch immer man zu ihnen stehen mag) habe ich den Eindruck, dass die althergebrachten Schubladen nicht mehr so recht passen. Oder was ist mit Dahlmann, Andrea Diener, Holgi und den Spreeblick-Jungs?
mark, ich habe diese diskussion nicht begonnen. ich führe sie nur fort. ich kann doch nichts dafür, dass sich viel zu viele leute journalisten nennen dürfen. bei bloggern sollte das anders sein.
es geht nicht um inhalte beim schreiben, es geht um die potentielle schere im kopf und käuflichkeit der schreibe. das wird kein journalist los. und deshalb ist er kein blogger. und ich muss dafür nicht jeden einzelnen journalisten durchgehen. wenn jeder von ihnen das für sich im stillen kämmerlein druchgeht, wird er zu der erkenntnis kommen. der wunsch ist da, natürlich. doch die grenzen sind eindeutig berufsbedingt. deshalb sind journalisten keine blogger. können sie gar nicht sein.
diese Diskussion war schon ein Klassiker, als ich mit dem Geblogge anfing. ;-)
Wir müssen auch nicht jeden einzelnen Blogger durchgehen, um Beispiele für Käuflichkeit zu finden. Und berufsbedingte Scheren im Kopf sind auch kein ausschließliches Journalistenprivileg. Der Shopblogger wird auch erst mal keine Namen nennen, wenn Stress mit nem Lieferanten aufkommt. Ebenso wie Udo Vetter auch gut beraten ist, nichts zu posten, was ihn seine Mitgliedschaft in der Anwaltskammer kosten könnte.
Ich verstehe natürlich sehr wohl, dass es bloggerseitig gute Gründe geben mag, sich von der "Johurnaille" abzugrenzen und strukturelle Unterschiede zu betonen. Und solange Du Dich an Deiner eigenen reinen Lehre orientierst, habe ich damit auch kein Problem.
was Du meinst: Wenn zwei das Gleiche tun ist es noch lange nicht dasselbe. Gleichwohl leuchtet mir immer noch nicht so recht ein, warum Journalist ein Ausschlusskriterium sein soll, Rechtsanwalt oder Supermarkt-Filialleiter aber nicht.
Mit "kein Problem" meinte ich, Du kannst Dein Bloggerbild (à la: richtige Blogger haben per definitionem keine Schere im Kopf und sind auch nicht käuflich) gerne weiter kultivieren und Dein Ding machen, wie Du es eben machst. Und anderen, die es anders machen, die Existenz als vollwertige Blogger absprechen.
Für mich ist das Schöne am Blogdings indes, dass es sich allzu platten Erklärungs- und Schubladisierungsversuchen bisher ganz gut entziehen konnte. ;-)
"warum Journalist ein Ausschlusskriterium sein soll, Rechtsanwalt oder Supermarkt-Filialleiter aber nicht"
blogger schreiben, weil sie wollen. journalisten schreiben, weil sie müssen. was an sich nicht schlimm ist, bloß jedem journalist die chance nimmt, ein blogger zu sein.
gehts noch pauschaler und holzschnittartiger? Zwischen Wollen und Müssen existieren in der Praxis so unendlich viele Abstufungen. Richtig ist freilich, dass sich viele Journalisten systematisch abtrainiert haben, dem nachzuspüren, was sie schreiben wollen würden, wenn man sie denn ließe. Das ist ein unleugbares Handicap für ein Dasein als Blogger, aber wie ich meine kein unüberwindliches Hindernis, zumal nicht alle im gleichen Maße darunter leiden.
Journalisten können wie jeder andere Blogger sein.
Sonst dürfte auch kein Bäcker, kein Ehemann, kein Parteimitglied Blogger sein, weil die ja auch nicht in ihrem Blog "zugeben", daß sie Lohndrücker sind, ihre Ehefrauen verprüfeln oder bereits mit 20 eine Karreier als Berufspolitiker anstreben.
Das "Knüwer-Problem", einerseits indiskret sein zu wollen, andererseits aber seinen eigenen Verlag außen vorlassen zu müssen, ist gravierend: aber das schmälert die Authentizität von Knüwers Blog. Nicht mehr und nicht weniger.
...will ich mich ja gar nicht. Bin ganz zufrieden so wie's is. Fand Vereine - ob Kegeln oder Bloggen - eh immer doof. Und ich wollte auch nie Teil einer Jugendbewegung sein ;-).
off topic, hier ebenfals pardon und entschuldigung, falls ich einen kommentarstrang gelöscht haben sollte. ich wollte nur einzelne kommentare löschen (von meiner seite aus ästhetischen gründen). egal, so gut. kommt nicht wieder vor.
Nicht weinen. Journalisten bleibt immerhin die Chance, es zum Halbblogger zu bringen. Das schaffen aber nur wenige.
Nachtrag: Es liegt da z.B. eine nette Story für euren Lokalteil auf der Boocompany (Stichwort "Journalisten Contest"). Betrifft drei von vier Vorständen eines größeren Arbeitgebers in eurem ganz in der Nähe von eurem Verbreitungsgebiet. Das wäre ein Kracher für ein Blatt wie eures. Denk mal drüber nach, warum ihr das niemals bringen könnt, dann kommst du vielleicht hinter die Aussage.
Och Leute, das überlass ich lieber den mit mehreren Dutzend Leuten besetzten online-Redaktionen der Mainstreamer - letztens durfte ich den stellvertretenden Ressortleiter Wirtschaft/Finanzen (allein der Titel!) der Internet-Ausgabe eines Wochenmagazins kennen lernen. Aber ich gebe den Hinweis gern an die Printleute bei uns weiter, auch wenn ich dadurch den Gewinn-Anspruch verliere ...
Also kann ich Skandale nicht ungeprüft in die Welt hinauspusten (es sei denn, es handelt sich darum, daß Bruce Darnell nicht mehr bei den Topmodels mitmachen darf oder ähnliches).
Ja, ich setze auch auf Holger. Humor haben die da oben jedenfalls. Aus dem Impressum:
Wichtiger Hinweis: Das Landgericht Hamburg hat in einer Entscheidung sinngemäß erklärt, daß wir in diesem Impressum nicht auf die Zeitung Lübecker Nachrichten hinweisen dürfen, die von der juristisch eigenständigen Lübecker Nachrichten Verlag GmbH herausgegeben wird.
wouw! sehr interessant. aber dann sind die praktikanten, studenten, geisteswissenschaftler, texter, konzeptioner und quereinsteiger in werbe- und marketingagenturen doch auch keine echten blogger, oder?
echt? warum traurig? ich finde es nach 4 jahren im ehemaligen bundeshauptdorf mittlerweile ganz lustig. vor allem über politik und verwaltung kann hier oft herzhaft lachen..., mach's gut;-)
Ich habe versucht in euren Beiträgen die Wahrheit zu finden. Die vollkommene Definition , was ein "reiner" Blogger ist und bin vollkommen daran gescheitert.
Beim Lesen wollten die Beiträge einfach nicht enden.... hier auf dieser Zwischenstation bin ich genauso so schlau wie am Anfang meines verzweifelten Versuches einer abschließenden Sinnentnahme*g*.
Ich habe entschieden, dass es mir absolut egal ist, ob ein Blogger - der ja auch irgendwie noch etwas anderes ist - bloggt oder ein Journalist, ein Lehrer, eine Raumpflegerin, etc. Mir kommt es nicht auf die korrekteste Blogger- Definition an, sondern einzig und allein auf das, was geschrieben wird.
Übrigens bin ich mir ziemlich sicher, obwohl ich nicht vom Fach bin, dass auch zwischen zwei "Nur"- Bloggern Welten liegen können, was die Scheren im Kopf anbelangen. Je nach Erfahrung,Charakter und Rückgrad ...